Kriegsgefangenenlager
Die NKWD-Sonderlager in Koselsk, Starobilsk und Ostaschkow waren sowjetische Kriegsgefangenenlager, die nach dem sowjetischen Angriff auf Polen am 17. September 1939 eingerichtet wurden. In ihnen wurden vor allem polnische Offiziere, Polizisten, Angehörige anderer uniformierter Dienste sowie Vertreter der Intelligenz festgehalten, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in den östlichen Gebieten der Zweiten Polnischen Republik in sowjetische Gefangenschaft geraten waren.
In Koselsk und Starobilsk wurden hauptsächlich Offiziere der Polnischen Armee sowie Reserveoffiziere interniert, darunter Ärzte, Juristen, Beamte, Lehrer, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller. In Ostaschkow hingegen waren vor allem Polizisten, Gendarmen, Gefängniswärter, Grenzschützer und Angehörige des Grenzschutzkorps (KOP) inhaftiert. Die Lager unterstanden formell dem NKWD, dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten der Sowjetunion.
Im März 1940 beschlossen die höchsten sowjetischen Staats- und Parteiführer die Erschießung der Gefangenen. Die Häftlinge aus Koselsk wurden in Katyn ermordet, jene aus Starobilsk in Charkiw und die Gefangenen aus Ostaschkow in Kalinin (heute Twer).

Koselsk
Das NKWD-Sonderlager in Koselsk (Russland, Oblast Kaluga) befand sich auf dem Gelände des Klosters Optina Pustyn sowie des sogenannten Skits, etwa fünf Kilometer von der Stadt und sieben Kilometer vom nächstgelegenen Bahnhof entfernt. Ursprünglich war das Lager für einfache Kriegsgefangene vorgesehen. Aufgrund der Überbelegung des Lagers Starobilsk wurde es jedoch als Internierungsort für die polnische Offizierselite bestimmt.
Anfang November 1939 befanden sich dort 4.629 Gefangene; kurz vor Beginn der Deportationen war ihre Zahl auf 4.594 Personen gesunken.
Unter den Gefangenen befanden sich unter anderem vier Generäle, ein Konteradmiral, 24 Oberste, 79 Oberstleutnante und 258 Majore. Zu den Internierten gehörte außerdem eine Frau – die Pilotin Leutnant Janina Lewandowska.
Trotz der sowjetischen Repressionen entwickelte sich im Lager ein verborgenes kulturelles und religiöses Leben. Die Gefangenen gaben beispielsweise die konspirative Lagerzeitung „Monitor Kozielski“ heraus. In den Baracken wurden literarische Abende und sogar Konzerte organisiert.
Die Transporte der Gefangenen zu ihrem Hinrichtungsort (Katyn) begannen am 3. April und dauerten bis zum 12. Mai 1940.
Literatur
- Fałdowska M, Obóz polskich jeńców wojennych w Kozielsku (wrzesień 1939 – maj 1940), Warszawa 2013.
- Pamiętniki znalezione w Katyniu, Paryż-Warszawa, 1990.
- Peszkowski Z., Wspomnienia jeńca z Kozielska, Wrocław 1992.

Starobilsk
Das NKWD-Sonderlager in Starobilsk (Ukraine, Oblast Luhansk) wurde auf dem Gelände eines Frauenklosters eingerichtet, das 1922 von den sowjetischen Behörden geschlossen worden war. Es handelte sich um das Kloster der Ikone der Gottesmutter „Freude aller Betrübten“. Starobilsk liegt mehr als 200 Kilometer südöstlich von Charkiw. Der Klosterkomplex wurde zur Internierung polnischer Staatsbürger genutzt, die in sowjetische Gefangenschaft geraten waren.
Unter den Gefangenen befanden sich unter anderem neun Generäle, 57 Oberste, 130 Oberstleutnante und 230 Majore. Anfangs waren dort nahezu 8.600 Personen inhaftiert. Kurz vor der Auflösung des Lagers betrug die Zahl der Gefangenen noch 3.893 polnische Kriegsgefangene.
Im Lager bestand eine gut funktionierende polnische Gefangenenselbstverwaltung. Trotz der sowjetischen Repressionen entwickelte sich auch hier ein verborgenes kulturelles und religiöses Leben. Die Gefangenen gründeten unter anderem eine geheime Kultur- und Bildungskommission. In der Gefangenschaft fanden zahlreiche Vorträge sowie Fremdsprachenkurse statt.
Die Transporte der Gefangenen zu ihrem Hinrichtungsort (Charkiw) begannen am 5. April und dauerten bis zum 12. Mai 1940.
Literatur
- Czapski J., Na nieludzkiej ziemi, Warszawa 1990.
- Gałek B., Starobielsk: obóz jeniecki NKWD: wrzesień 1939-maj 1940, Warszawa 2014.
- Gruner-Żarnoch E., Starobielsk w oczach ocalałych jeńców, Szczecin 2001.
- Młynarski B., W niewoli sowieckiej, Łomianki 2010.

Ostaschkow
Das NKWD-Sonderlager in Ostaschkow (Russland, Oblast Twer) befand sich auf der Insel Stolobny im Seligersee in einem ehemaligen Männerkloster, der sogenannten Nilow-Einsiedelei (Nilowo-Stolobenskaja Pustyn), etwa zehn Kilometer von der Stadt Ostaschkow entfernt. Die Insel wurde durch einen von den Gefangenen errichteten Damm mit dem Festland verbunden.
Anfang Oktober 1939 befanden sich dort 8.731 polnische Kriegsgefangene, vor allem Angehörige der Polizei, des Strafvollzugsdienstes sowie Mitarbeiter der Nachrichtendienste und der Spionageabwehr. Kurz vor den Deportationen zu den Hinrichtungsorten war ihre Zahl auf 6.364 Personen gesunken.
Im Lager Ostaschkow herrschten die schwierigsten Lebensbedingungen. Auch die NKWD-Wachmannschaften verhielten sich gegenüber den polnischen Gefangenen vielfach besonders brutal. Zudem wurde hier die höchste Zahl von Todesfällen im Lager verzeichnet – zwischen Herbst 1939 und Frühjahr 1940 (siehe: Verstorbene in den Lagern).
Die Transporte der Gefangenen zu ihrem Hinrichtungsort (Kalinin) begannen am 4. April und dauerten bis zum 19. Mai 1940.
Literatur
- Bober J., Za drutami obozów sowieckich. Wspomnienia, Łódź 2016.
- Fałdowski M., Zagłada polskich policjantów więzionych w obozie specjalnym NKWD w Ostaszkowie (wrzesień 1939 – maj 1940), Szczytno 2016.
- Gdowski J., Powrócić daj. Wspomnienia i refleksje obozowe z Ostaszkowa 1944-1947, Warszawa 2003.



