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Geschichte des Katyn-Museums

Ende 1990 begannen Vertreter der Familien der Opfer des Massakers von Katyn umfassende Maßnahmen zur würdigen Erinnerung an ihre Angehörigen. Ziel war es, diese Erinnerung nicht nur in Form symbolischer Grabmale und Denkmäler zu bewahren, sondern auch durch eine dauerhafte, offizielle Ausstellung, die die Wahrheit über die sowjetischen Verbrechen an wehrlosen Kriegsgefangenen vermittelt und zugleich alle bekannten und unbekannten Opfer dieses beispiellosen Massenmordes ehrt. Die erste geplante Ausstellung sollte Kopien sowjetischer Dokumente präsentieren, die die Verantwortung der NKWD-Beamten belegen, sowie über Jahrzehnte aufbewahrte Familienandenken zeigen, die erst im freien Polen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. Anfang 1991 richtete die Vorsitzende der Föderation der Katyn-Familien, Bożena Mamontowicz-Łojek, einen Appell an alle regionalen Zweigstellen und Angehörigen der Opfer, Erinnerungsstücke zu sammeln, die – nach entsprechender Konservierung – in einer Sonderausstellung des Polnischen Armeemuseums in Warschau gezeigt werden sollten. Über 1500 Objekte, die in der Ausstellung „Nicht nur Katyn“ gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, zeigten, dass die damals begonnene Diskussion über einen würdigen Erinnerungsort für alle Opfer gerade erst begonnen hatte.

Eröffnung des Katyn-Museums im Fort Sadyba am 29. Juni 1993. Auf dem Foto zu sehen sind Prälat Zdzisław Jastrzębiec-Peszkowski (am Mikrofon) und Sławomir Frątczak

Zur gleichen Zeit wurden aus den Massengräbern in Charkiw und Mednoje geborgene Grabartefakte nach Polen gebracht, von denen ein Teil dem Polnischen Armeemuseum übergeben wurde. Nach der Konservierung wurden sie in der Ausstellung „Beweise des Verbrechens – Ostaszków – Mednoje, Starobielsk – Charkiw“ präsentiert. Dies bildete den Grundstock der Sammlung des zukünftigen Katyn-Museums, das erstmals im Dezember 1991 in einer offiziellen Erklärung der Föderation der Katyn-Familien an den Präsidenten der Republik Polen, Lech Wałęsa, erwähnt wurde.
Dank der Zusammenarbeit zahlreicher Institutionen – darunter die Föderation der Katyn-Familien, das Unabhängige Historische Komitee zur Untersuchung des Katyn-Verbrechens, der Rat der Polnischen Katyn-Stiftung sowie das gesellschaftliche Leitungskomitee des Militärfonds zum Gedenken an die ermordeten Soldaten der Polnischen Armee – und in Kooperation mit dem Verteidigungsministerium, der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen und der Generalstaatsanwaltschaft konnten die finanziellen Mittel für die Errichtung des Museums gesichert werden.
Als Standort wurde ein Teil der historischen Festungsanlagen der Warschauer Festung aus dem 19. Jahrhundert in der Powsińska-Straße vorgeschlagen. Fort IX „Dąbrowski“ (auch bekannt als Fort „Czerniaków“ oder Fort „Sadyba“) sollte fortan Sitz des Katyn-Museums werden. Die Wahl dieses Ortes war sinnvoll, da seine Geschichte zahlreiche Aspekte der polnischen und Warschauer Vergangenheit vereint.
Ende 1992 genehmigte der stellvertretende Verteidigungsminister Bronisław Komorowski den Antrag des Direktors des Polnischen Armeemuseums. Im Dezember desselben Jahres wurde am Eingang des Forts ein Schild angebracht, das auf das im Aufbau befindliche Katyn-Museum als Außenstelle des Polnischen Armeemuseums hinwies.
Anfang 1993 wurden etwa 5000 Artefakte aus den Massengräbern in Charkiw und Mednoje an das Polnische Armeemuseum übergeben. Diese wurden von verschiedenen Institutionen konserviert und untersucht, darunter das Militärische Institut für Luftfahrtmedizin, das Zentrale Kriminaltechnische Labor der Polizei sowie Konservierungswerkstätten des Nationalmuseums und des Polnischen Armeemuseums in Warschau.
Die von Maria Irzyk gestaltete Dauerausstellung, deren Titel sich auf ein Gedicht von Feliks Konarski („Die Erinnerung ließ sich nicht auslöschen“) bezieht, ermöglichte erstmals eine umfassende Präsentation von Grabartefakten, Dokumenten, Familienandenken und Fotografien der Opfer und bildete den Kern der entstehenden Sammlung des Katyn-Museums. Die offizielle Eröffnung am 29. Juni 1993 fand in Anwesenheit höchster staatlicher Vertreter sowie zahlreicher Angehöriger der Opfer statt. Das neu gegründete Katyn-Museum wurde zu einem wichtigen Ort der Forschung, Erinnerung und Bildung. Seine Sammlung wuchs kontinuierlich durch Schenkungen von Familien sowie durch weitere Exhumierungen in Katyn, Charkiw und Mednoje in den Jahren 1994–1996. Eine bedeutende Rolle spielte dabei die Rada Ochrony Pamięci Walk i Męczeństwa, die einen Großteil der geborgenen Objekte als Depositum übergab und deren Konservierung sowie wissenschaftliche Bearbeitung koordinierte. Die Ausstellung verband historische Darstellung mit edukativen Elementen wie Rekonstruktionen von Lagern, Kartenmaterial und visuellen Präsentationen. Ergänzt wurde sie durch persönliche Geschichten der Opfer, Fotografien aus der Vorkriegszeit sowie kontinuierlich eingehende Familienandenken aus der ganzen Welt.
Im Jahr 2009 wurde die Ausstellung im Fort IX aufgrund technischer Probleme geschlossen. Dieser Schritt stieß auf Kritik und Proteste der Angehörigen der Opfer, war jedoch notwendig, um die Sammlung zu sichern und einen neuen, geeigneten Standort für das Museum vorzubereiten.

Parallel dazu entstand im Polnischen Armeemuseum eine temporäre Ausstellung mit dem Titel „Pamięć nie dała się zgładzić…“ (Die Erinnerung ließ sich nicht auslöschen…), die dem Katyn-Verbrechen gewidmet war und als konzeptionelle Brücke für die zukünftige Dauerausstellung diente.

Im Jahr 2010 wurde die Warschauer Zitadelle als neuer Standort des Katyn-Museums bestimmt. Am 17. September 2011 wurde dort die temporäre Ausstellung „Die Erinnerung ließ sich nicht auslöschen…“ eröffnet, die als Test und Vorläufer der späteren Dauerausstellung diente.
Am 17. September 2015 wurde das neue Katyn-Museum in der Warschauer Zitadelle feierlich eröffnet – in Anwesenheit des Präsidenten der Republik Polen, des Premierministers, des Verteidigungsministers, der Ministerin für Kultur und des Direktoriums des Polnischen Armeemuseums sowie der Familien der Opfer. Das Museum erhielt damit einen modernen, würdigen Ausstellungsraum, der die Geschichte des Verbrechens von Katyn umfassend und zeitgemäß vermittelt. Die Ausstellung des Katyn-Museums vereint heute zahlreiche individuelle Geschichten der Opfer und ihrer Familien. Sie zeigt persönliche Gegenstände, Dokumente und fotografische Zeugnisse und schafft eine eindringliche, emotionale Erinnerung an die polnischen Kriegsgefangenen in sowjetischer Gefangenschaft.

 

 

Die Sammlung des Katyn-Museums ist weltweit einzigartig. Sie umfasst zehntausende Objekte – Grabartefakte, Dokumente aus den Massengräbern in Katyn, Charkiw und Mednoje, persönliche Unterlagen und Fotografien sowie eine stetig wachsende Zahl von Familienandenken. Diese Sammlung bildet ein bedeutendes historisches Zeugnis und ist zugleich ein materieller Beweis für das begangene Verbrechen an Bürgern der Zweiten Polnischen Republik.


Siehe auch die folgende Publikation:

PDF
B. Bydoń, S.Z. Frątczak, The Katyn Museum: The Martyrology Branch of the Polish Army Museum in Warsaw, „Institute of National Remembrance Review“ 2022, No. 4, S. 5–117.