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II. Internationale Konferenz „Witnesses and Testimonies of the Katyn Crime“


Am 18. September dieses Jahres fand im Audiovisuellen Saal des Polnischen Armeemuseums in Warschau die II. Internationale Konferenz „Witnesses and Testimonies of the Katyn Crime“ (auf Deutsch: Zeugen und Zeugnisse des Verbrechens von Katyn) statt.

An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Ehrengäste teil, darunter Vertreter der Katyn-Familienverbände und der Familien der ermordeten Polizeibeamten, Mitarbeitende wissenschaftlicher und Forschungseinrichtungen, Mitglieder der Organisation Memorial, die sich mit der Erforschung der stalinistischen Verbrechen befasst, David A. Stewart, Sohn eines amerikanischen Zeugen der deutschen Exhumierungen in Katyn, sowie Freunde und Förderer des Museums.
Zu Beginn begrüßte Paweł Żurkowski, stellvertretender Direktor des Polnischen Armeemuseums, die versammelten Gäste.

Die wissenschaftliche Konferenz gliederte sich in vier Themenblöcke. Das erste Panel wurde von Dr. Bartłomiej Bydoń, Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung des Katyn-Museums, moderiert. Den Eröffnungsvortrag hielt David A. Stewart. Er stellte die Geschichte seines Vaters Donald Stewart vor und sprach über die Versuche amerikanischer Behörden, dessen Bericht zu unterdrücken, der die Sowjetunion eindeutig für das Massaker verantwortlich machte. Hervorzuheben ist, dass das Katyn-Museum gemeinsam mit David A. Stewart an der Veröffentlichung seiner Bücher in Polen arbeitet, die auf amerikanischen Archivdokumenten zur Katyn-Frage basieren.
Anschließend sprach Dr. Ewa Kowalska vom Büro für Suche und Identifizierung des Instituts für Nationales Gedenken (IPN), die früher das Katyn-Museum leitete. Ihr Vortrag befasste sich mit Fluchtversuchen polnischer Kriegsgefangener aus sowjetischer Gefangenschaft – sowohl während der Transporte in die Lager als auch aus den Lagern selbst. Dabei wurden aus Erinnerungsberichten und sowjetischen Dokumenten bekannte Fälle erfolgreicher Fluchten ebenso vorgestellt wie solche, die mit erneuter Inhaftierung oder dem Tod der Flüchtenden endeten.
Danach verlas Kacper Ciesielski in Vertretung der abwesenden Dr. Izabella Sariusz-Skąpska, Vorsitzende des Verbandes der Katyn-Familien, deren Referat. Im Mittelpunkt standen die Katyn-Gedenkfriedhöfe, ihre Entstehungsgeschichte und ihr Bau sowie die Gefährdungen, denen sie im Zuge des gegenwärtigen Krieges zwischen der Ukraine und Russland ausgesetzt sind, etwa durch den russischen Beschuss des Friedhofs der Opfer des Totalitarismus in Charkiw. Aufgrund der aktuellen Lage ist der Zugang zu den Gedenkstätten stark eingeschränkt. Zudem wurde auf die Bemühungen der Russischen Föderation hingewiesen, die Wahrheit über Katyn zu verfälschen, indem sie ihre Propaganda intensiviert und provokative Maßnahmen unter anderem in Mednoje ergreift.
Zum Abschluss dieses Panels ehrte der Vorsitzende der Warschauer Katyn-Familie Mitarbeitende des Katyn-Museums sowie David A. Stewart mit Erinnerungsabzeichen und dankte ihnen für ihre bisherigen Leistungen und ihr Engagement.

Das zweite Panel wurde von dem ehemaligen Leiter des Katyn-Museums, Sławomir Frątczak, moderiert. Den ersten Vortrag hielt Dr. habil. Witold Wasilewski von der Abteilung für Archivforschung und Quellenedition des IPN-Archivs. Er stellte die Tätigkeit der amerikanischen Madden-Kommission vor, deren Abschlussbericht vom Dezember 1952 nach der Befragung zahlreicher Zeugen und der Auswertung umfangreicher Dokumentationen die Sowjetunion eindeutig als Täter des Massakers benannte.
Die beiden folgenden Vorträge wurden von Mitarbeitenden des Katyn-Museums gehalten: Dr. Bartłomiej Bydoń und Dr. Joanna Kurczab. Dr. Bydoń widmete sich dem Bericht von Oberstleutnant Henry Szymanski, einem amerikanischen Offizier, der während des Zweiten Weltkriegs als Verbindungsoffizier bei der Polnischen Armee im Osten diente. Im April und Mai 1943 übergab er der amerikanischen Seite Materialien, die von ehemaligen polnischen Gefangenen in sowjetischer Haft – Józef Czapski und Bronisław Młynarski – zusammengestellt worden waren.
Dr. Joanna Kurczab stellte die im Katyn-Museum aufbewahrten Grabarchivalien vor. Sie erläuterte deren rechtlichen Status, ihre Bedeutung als Beweismittel für das Verbrechen sowie moderne Forschungsmethoden, darunter Untersuchungen mit Infrarot- und Ultraviolettstrahlung, die das Lesen von mit bloßem Auge unsichtbaren Texten ermöglichen.

Das dritte Panel wurde von Kacper Ciesielski geleitet. Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. habil. Anna Drążkowska von der Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń. Die Referentin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Konservierung musealer Sammlungen, insbesondere von Grabfunden. In ihrem Vortrag erläuterte sie die Komplexität dieses Prozesses und wies auf die zahlreichen Herausforderungen hin, die sich bei der Arbeit mit unterschiedlichen Materialien ergeben, vor allem mit Objekten, die über fünfzig Jahre in Massengräbern gelegen hatten.
Anschließend sprach Dr. Magdalena Majorek-Lipowicz von der Universität Łódź über die Arbeiten am „Lexikon der Katyn-Archäologie“. Das Projekt sammelt Interviews mit Teilnehmern der Exhumierungen sowie Dokumentationen, die ein genaueres Bild der Arbeiten in Katyn und an anderen Orten vermitteln sollen. Darüber hinaus stellte sie die von den Forschenden eingesetzte Methode des dreidimensionalen Scannens von Grabobjekten vor. Dadurch bleibt selbst bei einer möglichen Zerstörung der Originalobjekte das Wissen über deren Form und Erscheinungsbild erhalten.
Den letzten Vortrag dieses Panels hielt Oberstleutnant Dr. Bartosz Klepczyński vom Ausbildungszentrum der Militärpolizei. Er präsentierte die Möglichkeiten moderner Technologien wie Laserscanning, Photogrammetrie, Drohneneinsatz und Gesichtsrekonstruktionen anhand von Schädeln, die bei der Lokalisierung und Identifizierung bislang unbekannter Begräbnisstätten von Opfern des Verbrechens hilfreich sein können.

Der letzte Teil der Konferenz wurde von Dr. Tomasz Szczepański moderiert. Zunächst sprachen Vertreter der Organisation Memorial, die die Geschichte der stalinistischen Verbrechen erforscht, in Russland jedoch verboten wurde und deren Mitglieder staatlichen Repressionen ausgesetzt sind. Die Vorträge von Anna Mirkes-Radziwon und Konstantin Konoplanko befassten sich mit der aktuellen Situation in Russland, wo die Zivilgesellschaft zunehmend geschwächt wird, Kritiker des Regimes verfolgt oder ausgeschaltet werden und der Kampf um die historische Wahrheit gegenüber einer immer intensiveren Propaganda an Boden verliert.
Darüber hinaus wurde ein historischer Überblick über die wiederholte Missachtung internationaler Vereinbarungen zu polnischen Kriegsgräbern durch Russland gegeben. Ebenso wurden Handlungen dargestellt, die als feindselig und provokativ gegenüber Polen bewertet werden können.
Der nächste Referent war Kornel Dąbrowiecki, Enkel eines Opfers des Verbrechens von Katyn. In seinem Vortrag „Wahrheiten, Halbwahrheiten und Fälschungen im heutigen Russland“ analysierte er Beispiele historischer Manipulationen in Bezug auf das Verbrechen von Katyn innerhalb der Russischen Föderation.
Den abschließenden Vortrag hielt Dr. Maciej Wyrwa vom Mieroszewski-Zentrum für Dialog. Er sprach über die Darstellung des Verbrechens von Katyn in der offiziellen belarussischen Geschichtsnarration. Besonderes Augenmerk legte er auf Kuropaty, den wahrscheinlichen Begräbnisort polnischer Opfer des Verbrechens. Dabei schilderte er die Maßnahmen der belarussischen Behörden, die Exhumierungen vor Ort verhinderten und sich zahlreicher historischer Manipulationen bedienten.

Nach den Vorträgen fand eine Diskussion mit den anwesenden Gästen statt, darunter auch Vertreter der Familien der Opfer. Zum Abschluss der wissenschaftlichen Tagung hörten die Teilnehmenden eine gemeinsame Zusammenfassung von Bartłomiej Bydoń und Kacper Ciesielski.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr bei der III. Konferenz „Zeugen und Zeugnisse“ im Katyn-Museum in Warschau.

 


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