Sonderausstellung der wertvollsten philatelistischen Sammlungen im Katyn-Museum
Diese Ausstellung bietet eine einzigartige Gelegenheit, Erinnerungsstücke zu sehen, die Krieg, Repressionen und Jahrzehnte des Schweigens überstanden haben. Die Sonderausstellung im Katyn-Museum ist nur noch bis zum 30. August 2026 für Besucherinnen und Besucher zugänglich.
Die ausgestellten Briefmarkensammlungen und Korrespondenzen gehörten Opfern des Katyn-Verbrechens. Hinter den scheinbar unscheinbaren Briefmarken, Postkarten und Briefen verbergen sich die persönlichen Geschichten ihrer Besitzer – ihre Leidenschaften, ihre Beziehungen zu Angehörigen sowie die Orte, an denen sie lebten und Dienst leisteten.
Zu den in der Sonderausstellung präsentierten Sammlungen gehört eine von besonderem Wert, die Hauptmann a.D. Józef Czerwenka (1884–1940) gehörte. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte er in den Reihen der österreichischen Armee. Nach dem Krieg war er Offizier des 5. Transportbataillons der Polnischen Armee und anschließend bis 1930 Offizier der I. Abteilung des Generalstabs. Zu den ausgestellten philatelistischen Belegen gehören unter anderem handvervielfältigte Postkarten, die in den Jahren 1915–1917 über die österreichische Feldpost versandt wurden, sowie Postkarten, Glückwunschkarten und Ansichtskarten aus den Jahren 1919–1922 und 1928–1939. Von besonderer Bedeutung ist ein am 29. November 1939 datierter Brief aus dem NKWD-Lager in Starobilsk, der an seine Ehefrau Melania gerichtet war. Darin schreibt er zu Beginn: Endlich gebe ich ein Lebenszeichen von mir. Wo ich war, was mit mir geschehen ist, welche schrecklichen Tage ich durchgemacht habe, werde ich euch eines Tages erzählen, wenn Gott es zulässt, dass ich wieder mit euch, meine Liebsten, vereint werde. Die Sammlung wurde viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Renovierung einer Wohnung im Warschauer Stadtteil Praga entdeckt. Sie war unversehrt erhalten geblieben und ist heute ein außerordentlich wertvolles Zeugnis für das Schicksal eines polnischen Offiziers und seiner Familie.
Zu den ausgestellten Erinnerungsstücken gehört auch die Sammlung von Hauptmann Karol Glazur (1891–1940), einem Offizier der II. Abteilung des Generalstabs und Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, am Polnisch-Sowjetischen Krieg sowie am Verteidigungskrieg von 1939. Ein besonders berührendes Zeugnis seiner Leidenschaft für die Philatelie sind die von ihm eigenhändig angefertigten Briefmarkenalben. Die Sammlung von Hauptmann Glazur und seinem Sohn Adam wurde von Karols Tochter Janina Glazur dem Bestand des Katyn-Museums übergeben. Obwohl die Kinder im Frühjahr 1943 während der Exhumierungsarbeiten im Katyn-Wald die Nachricht erhalten hatten, dass ihr Vater identifiziert worden war, lösten sie weiterhin Briefmarken von der an ihre Mutter adressierten Korrespondenz – von Briefumschlägen und Postkarten. Sie hofften, dass ihr Vater noch lebte und sich nach seiner Rückkehr nach Hause über die Briefmarken freuen würde, die sie während der gesamten Besatzungszeit und der Nachkriegsjahre gesammelt hatten.

Die Ausstellung zeigt außerdem Erinnerungsstücke von Oberst i.G. Kazimierz Burczak (1895–1940), Träger des Ordens Virtuti Militari, Offizier und Befehlshaber sowie Teilnehmer an den Kämpfen um die Unabhängigkeit Polens. Einen besonderen Platz nimmt seine Korrespondenz mit seiner Ehefrau Zofia ein. Während der Verlobungszeit und später während ihrer Ehe schickte Kazimierz Burczak ihr Postkarten und Briefe von allen Orten, an denen er sich aufhielt. Manchmal waren auf einer Karte lediglich der Name eines Ortes oder ein Datum vermerkt – eine kleine, zugleich äußerst persönliche Spur seiner Anwesenheit. Neben Postkarten, Visitenkarten und Korrespondenz mit Gedenkpoststempeln wird ein kunstvoll gestaltetes Album mit den erhaltenen Postkarten präsentiert. Es war bereits zuvor in der Dauerausstellung des Museums zu sehen, im Bereich mit Erinnerungsstücken, die von Familien übergeben wurden und aufgrund der besonderen konservatorischen Anforderungen an die Präsentation von Papierobjekten regelmäßig ausgetauscht werden. Die Sammlung wurde dem Katyn-Museum von seiner Tochter Marzenna und seinem Sohn Zbigniew übergeben.
Drei Sammlungen, drei Geschichten und Hunderte kleiner Gegenstände ermöglichen einen Blick auf die Opfer des Katyn-Verbrechens nicht nur durch das Prisma ihres Dienstes und ihres tragischen Schicksals, sondern auch auf ihren Alltag, ihre Interessen und ihre Beziehungen zu ihren Angehörigen.
Wir laden Sie herzlich ins Katyn-Museum ein. Die anlässlich des Postcrossing-Treffens am Tag der Polnischen Armee vorbereitete Ausstellung ist im Foyer des Museums nur noch bis Sonntag, den 30. August 2026, zu sehen.





