Stellungnahme des Direktors des Polnischen Armeemuseums
Im Namen des Polnischen Armeemuseums, zu dessen Organisationsstruktur auch das Katyn-Museum gehört – ein Ort von besonderer nationaler Erinnerung und Hüter der Reliquien der Opfer des Massakers von Katyn – möchte ich meine uneingeschränkte Unterstützung für die von Frau Izabella Sariusz-Skąpska, Vorsitzende des Vorstandes des Verbandes der Katyn-Familien (Federacja Rodzin Katyńskich), abgegebene Stellungnahme zum Ausdruck bringen. Diese betrifft die Versuche, Erinnerungsstücke, die polnischen Kriegsgefangenen gehörten und die 1940 vom NKWD ermordet wurden, auf ausländischen Auktionen zum Verkauf anzubieten.
Mit größter Anerkennung nehme ich die unverzügliche Reaktion des Verbandes der Katyn-Familien sowie das Engagement zahlreicher staatlicher Institutionen zur Kenntnis, durch das der Verkauf dieser Artefakte beim Auktionshaus Felzmann verhindert werden konnte. Es muss nachdrücklich betont werden, dass bereits der Versuch, Erinnerungsstücke der Opfer des Massakers von Katyn zum Verkauf anzubieten, nicht nur die Gefühle ihrer Angehörigen verletzt, sondern auch die Grundlagen der polnischen historischen Erinnerung angreift.
Ich teile uneingeschränkt die Auffassung des Verbandes, dass Erinnerungsstücke der Opfer des Massakers von Katyn ausschließlich in den Händen ihrer Familien oder – sofern dies dem Willen der Erben entspricht – im Katyn-Museum ihren Platz haben. Dieses Museum ist die dafür berufene Institution, sie aufzubewahren, zu sichern und der Öffentlichkeit in würdiger Weise zugänglich zu machen. Diese Gegenstände sind keine Handelsware, sondern Zeugnisse der Geschichte, Reliquien des Leids, des Opfers und der Wahrheit über eines der tragischsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts.
Das Polnische Armeemuseum und das Katyn-Museum beobachten seit Jahren aufmerksam Objekte mit Bezug zu den Opfern, die auf dem Antiquitätenmarkt erscheinen. Ein wirksamer Schutz dieses kulturellen Erbes erfordert jedoch die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Deshalb schließe auch ich mich dem Appell des Verbandes der Katyn-Familien an, jede versuchte Veräußerung von Artefakten aus dem Zusammenhang des Massakers von Katyn – sowohl im Inland als auch im Ausland – unverzüglich zu melden.
Unser nationales historisches Gedächtnis ist ein gemeinsames Gut. Die Reliquien von Katyn dürfen nicht zum Gegenstand des Handels werden.
Die Erinnerung ist nicht käuflich.
Prof. Dr. habil. Bogusław Pacek
Direktor des Polnischen Armeemuseums





