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Zentrale Gedenkfeier zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Massakers von Katyn

Kranzniederlegung am Epitaph von Katyn. Die Spiegelungen der Delegationen in den gläsernen Türen der Geschützhalle

Am 13. April 2025 fand auf dem Appellplatz des Katyn-Museums die zentrale Gedenkfeier zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Massakers von Katyn statt. An der Veranstaltung nahmen die letzten noch lebenden Kinder der im Frühjahr 1940 vom NKWD ermordeten Kriegsgefangenen, Angehörige der Katyn-Familien und der Familien der Polizeiopfer sowie die höchsten Vertreter der staatlichen Behörden unter der Leitung des Ministerpräsidenten Donald Tusk teil.
Die Feierlichkeiten wurden gemeinsam vom Amt für Kombattanten und Opfer politischer Repressionen, der Föderation der Katyn-Familien, dem Polnischen Armeemuseum und dem Katyn-Museum organisiert.
Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten, des Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Ministers für Nationale Verteidigung sowie des Ministers des Innern und der Verwaltung.
Die Gedenkfeier begann mit einer Heiligen Messe in der Feldkathedrale der Polnischen Streitkräfte, zelebriert von Bischof Wiesław Lechowicz.
Während der Feierlichkeiten ergriff Ministerpräsident Donald Tusk das Wort. Er betonte, dass das Massaker von Katyn nicht nur eine unvorstellbare Tragödie Tausender Familien sei, sondern auch ein Symbol des Zusammenpralls einer auf Werten gegründeten Zivilisation mit der Brutalität des Totalitarismus. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dieser außerordentlich bedeutenden und persönlichen Rede.

 

Immer wenn wir der Opfer des Massakers von Katyn gedenken, empfindet wohl jeder und jede von uns dasselbe: Das Schweigen spricht lauter, die Stille ist eindringlicher als die schönsten Reden. Denn es fehlen uns die Worte, es fehlen uns die Begriffe, um das Ausmaß und die Sinnlosigkeit dieses Verbrechens zu begreifen.
Niemals können wir uns mit dem Triumph des Bösen abfinden. Niemals können wir akzeptieren, dass die Opfer, jene Menschen, die einer guten Sache dienen, machtlos sein können. Wir wollen das nicht wahrhaben und finden keine angemessenen Worte dafür. Wenn wir sehen, wie das Böse über das Gute siegt, wie böse Menschen zur Waffe greifen und Unschuldigen einen Genickschuss geben. Wir wissen nicht einmal immer, wie wir die Getöteten nennen sollen: Opfer von Katyn oder Helden einer nationalen Legende. Doch heute dürfen wir nicht schweigen. […] Dieses Opfer ist zugleich eine außerordentlich eindringliche, geradezu aufschreiende Lehre – nicht nur der Geschichte, sondern eine Lehre, der wir heute mit besonderer Aufmerksamkeit zuhören müssen.
Zwar wurde jenes Böse damals besiegt. Heute leben wir – so, wie es sich jene erträumten, die dort im Osten ihr Leben verloren – in einem unabhängigen, souveränen und freien Vaterland. Doch das Böse, aus dem dieses Verbrechen hervorging, lauert noch immer um uns herum. […] Es bedroht unsere Nachbarn, es bedroht den Frieden, es bedroht – wie wir es von Monat zu Monat immer deutlicher spüren – Polen und Europa. Es ist dasselbe Böse. Ob heute Sumy am Palmsonntag oder die Tragödie von Butscha […] Dem Bösen darf man nicht machtlos gegenüberstehen. Der Lüge darf man nicht machtlos gegenüberstehen, ebenso wenig der Aggression. […] Wenn wir über Bedrohungen sprechen, dann erinnern wir uns an die Worte von General und damaligem Ministerpräsidenten Władysław Sikorski. Es war die Zeit, als die Massengräber entdeckt wurden. Als Stalin seine große Kampagne der Lüge begann. Damals sagten Polens Verbündete im Namen der sogenannten höheren geopolitischen Interessen und der Kriegsstrategie zu den Polen und zu Ministerpräsident Sikorski: „Seid still. Sprecht nicht so laut darüber. Die globalen Interessen verlangen Diskretion. Gefährdet das entstehende Bündnis nicht.”
Ich erinnere daran, um vor allem die damalige Reaktion Władysław Sikorskis in Erinnerung zu rufen. Zu seinen britischen Freunden sagte er: „Glaubt der Lüge nicht so leicht. Auf der Seite Russlands steht die Macht, auf unserer Seite die Gerechtigkeit.” Das sind schöne Worte. Aber ich hoffe, dass wir sie niemals wiederholen müssen. Wenn wir von der Lehre von Katyn sprechen, dann müssen wir mit voller Überzeugung, mit Glauben und Entschlossenheit sagen, dass wir der Lüge niemals nachgeben werden, dass wir keiner verlogenen Propaganda erliegen werden, dass wir niemals schwächer sein werden als das Böse und niemals auf dessen Seite wechseln werden. Wenn wir heute die Bilder aus der Ukraine sehen, werden wir nicht so tun, als sähen wir nichts – selbst wenn die ganze Welt so täte. Wir werden niemals so tun, als wüssten wir nicht, wo das Böse ist, wer der Aggressor und der Henker ist und wer das Opfer, wo die Gerechtigkeit und wo das Gute sind.
Das vielleicht Wichtigste für uns alle heute ist jedoch, den Katyn-Familien und all jenen, die damals ihr Leben verloren haben, zu sagen, dass wir niemals wieder allein sein werden. […] Deshalb müssen wir heute denjenigen, die ihr Leben gaben, versprechen, dass Polen im Falle einer erneuten Konfrontation mit dem Bösen, mit der Lüge und mit der Ungerechtigkeit niemals wieder allein stehen wird. Und dass wir nicht naiv sein werden. Doch die vielleicht wichtigste Lehre und das Versprechen, das wir den Opfern von Katyn heute am eindringlichsten geben sollten, lautet: Wir werden niemals schwach sein. Was ist Freiheit? Was ist das Gute wert, wenn es keine Menschen gibt, die bereit sind, Freiheit, Wahrheit und das Gute zu verteidigen – und zwar wirksam zu verteidigen? Wie zerbrechlich sind doch diese Werte. […] Möge niemals ein polnischer Staatsführer gezwungen sein, jene Worte auszusprechen, dass auf ihrer Seite die Macht und auf unserer Seite die Gerechtigkeit stehe. Mögen wir immer mit voller Überzeugung sagen können, dass auf der Seite Polens sowohl die Stärke als auch die Gerechtigkeit stehen, dass auf der Seite Polens die Wahrheit steht und dass Polen stets auf der Seite des Guten steht. […] Unser Gedenken erhält seinen tiefsten Sinn dann, wenn wir die richtigen Lehren daraus ziehen. Dann wird die Erinnerung an diese Opfer nicht nur eine Quelle der Rührung sein, sondern vor allem eine Quelle unserer Stärke. Daran glaube ich zutiefst – so wie ich an Polen glaube.
– Donald Tusk, Ministerpräsident der Republik Polen

 

Im Namen des Präsidenten der Republik Polen, Andrzej Duda, wurde das Schreiben des Staatsoberhauptes von Małgorzata Paprocka, Ministerin und Chefin der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen, verlesen. In seiner Botschaft betonte der Präsident, dass die Wahrheit über Katyn jahrzehntelang verfälscht und totgeschwiegen worden sei. Deshalb trügen wir heute eine besondere Verantwortung, von dieser Wahrheit Zeugnis abzulegen – mit Respekt, Demut, aber auch mit Entschlossenheit.
Tief bewegende Worte sprach auch Izabella Sariusz-Skąpska, Präsidentin der Föderation der Katyn-Familien und Enkelin eines der vom NKWD in Katyn ermordeten Opfer. Sie sprach über das Leid der Familien, ihren jahrzehntelangen Kampf um die Wahrheit sowie über die Verpflichtung, die diese Tragödie uns allen auferlegt. Sie betonte, dass Katyn ein Anschlag auf die Seele der polnischen Nation gewesen sei.
Anschließend sprachen Bischof Wiesław Lechowicz, Erzpriester Oberst Aleksy Andrejuk und Pfarrer Hauptmann Waldemar Gabryś ein ökumenisches Gebet für die Opfer.
Den Höhepunkt der Gedenkfeier bildeten der feierliche Appell des Gedenkens (Apel Pamięci) sowie die Kranzniederlegung am Katyn-Epitaph. Den Kranz im Namen der Veranstalter legten nieder: Ministerpräsident Donald Tusk, Lech Parell, Leiter des Amtes für Kombattanten und Opfer politischer Repressionen, Dr. Izabella Sariusz-Skąpska, Präsidentin der Föderation der Katyn-Familien, Prof. Dr. habil. Bogusław Pacek, Direktor des Polnischen Armeemuseums, sowie Sebastian Karwat, Leiter des Katyn-Museums.


 


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